Coaching für Führungskräfte in der Burnout-Grauzone

    Bevor der Körper die Notbremse zieht

    Es gibt eine Phase, in der Sie nachts aufwachen und der Kopf noch rechnet. Der Kalender für morgen, das Gespräch mit dem Vorstand, die E-Mail, die Sie nicht beantwortet haben. Ein leichter Knoten im Magen, der nicht weggehen will. Sie merken, dass das Wochenende nicht mehr nach Erholung schmeckt. Sie sind reizbarer, als Sie sein wollen. Sie sagen sich: das ist normal, gerade ist viel los, das geht vorbei.

    Manchmal geht es vorbei. Manchmal nicht.

    Hinter dem Stress liegt etwas anderes.

    Was sich als Stress präsentiert, ist in den meisten Coachings, die ich führe, nicht primär ein Zeitproblem. Es ist Angst. Angst, die sich nicht so nennt, weil das Wort in der Führungsebene nicht vorgesehen ist. Stattdessen kommt sie als Erschöpfung, als Reizbarkeit, als Schlafstörung, als das diffuse Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.

    Bei den Führungskräften, mit denen ich arbeite, ist es meistens die Angst vor Fehlern. Sie hängt eng zusammen mit der Angst vor Jobverlust, vor Bedeutungsverlust, vor Sichtbarkeit als jemand, der nicht mehr genügt. Und sie verstärkt sich selbst: Wenn Entlassungen angekündigt sind, denkt jeder, jetzt darf ich erst recht keine Fehler mehr machen. Wenn die Branche wackelt, denkt jeder, jetzt muss ich mehr leisten als die anderen. Die Angst wird zum Motor, der immer mehr Leistung fordert.

    Das ist die Bewegung, die viele Führungskräfte in die Erschöpfung trägt: zu viel angstgetriebene Arbeit, nicht einfach zu viel Arbeit.

    Warum mehr arbeiten nicht hilft

    In dieser Lage greifen viele zur naheliegenden Antwort: noch mehr arbeiten. Länger im Büro, dichter terminiert, mehr abgearbeitet. Das hat eine subtile zweite Funktion, die selten ausgesprochen wird. Wer alles gibt, kann hinterher schwer kritisiert werden. „Ich habe doch schon über meine Grenzen hinaus alles getan.“ Die Überanstrengung wird zur Kritik-Vermeidungs-Strategie, oft ohne dass es der Person selbst bewusst ist.

    Das ist der Grund, warum klassisches Zeitmanagement an dieser Stelle scheitert. Wer einer Führungskraft in dieser Phase rät, Pausen zu machen, klarer zu priorisieren oder Delegationsregeln zu lernen, behandelt das Symptom auf der falschen Ebene. Die Mehrarbeit ist nicht das eigentliche Problem. Sie ist die Lösung, die der ängstliche Anteil gefunden hat. Solange die Angst nicht gesehen wird, wird sie weiter eine Lösung suchen, und Mehrarbeit ist die offensichtlichste.

    Auch Perspektivwechsel und Achtsamkeitsübungen scheitern hier oft. Diese Methoden sind nicht wertlos. Sie setzen aber auf der Verhaltens-Ebene an, während der Motor eine Ebene tiefer läuft. Eine Atemübung am Morgen kann den Tag erleichtern. Die Angst, die um sechzehn Uhr in der Vorstandssitzung wieder hochkommt, bleibt davon unberührt.

    Was hier wirklich hilft, ist eine andere Bewegung: die Zuwendung zur Angst selbst.

    Das Gute in der Angst erkennen

    In meiner Arbeit bezeichne ich das als Arbeit an eigenen Anteilen. Der Begriff ist absichtlich konkret. Wir alle haben innere Anteile, einen, der die Karriere will, einen, der Ruhe sucht, einen, der zweifelt, einen, der mithalten will. Bei Menschen unter Druck zeigt sich häufig ein ängstlicher Anteil, der die Last trägt: er ist es, der die Mehrarbeit organisiert, der nachts noch rechnet, der den Knoten im Magen produziert.

    Bleistiftzeichnung: Ein Mensch sitzt an einem Tisch im Kreis seiner inneren Anteile – Manager, Feuerwehrleute, Verbannte – im Sinne von Internal Family Systems.
    Innere Anteile am Tisch – ein Bild aus dem Insight zu Internal Family Systems. Jeder Anteil hat eine positive Absicht, auch der ängstliche.

    Die meisten Menschen mögen diesen Anteil zunächst nicht. Er fühlt sich störend an, lähmend, peinlich. Die übliche Antwort darauf ist Wegdrücken: nicht hinschauen, weitermachen, funktionieren. Genau das verstärkt aber das Problem. Der weggedrückte Anteil arbeitet im Hintergrund weiter, mit immer mehr Energie, weil er nicht gehört wird.

    Die Arbeit, die ich anbiete, beginnt mit einer einfachen, aber ungewohnten Frage: Was hat dieser ängstliche Anteil eigentlich Gutes mit Ihnen vor? Die Antwort fällt am Anfang schwer, weil die meisten Menschen nicht gelernt haben, ihren belastenden Anteilen Gutes zuzutrauen. Aber jeder dieser Anteile hat eine positive Absicht. Der ängstliche Anteil will Sie vor dem Fehler bewahren, der Sie etwas kosten würde. Er meint es gut. Er hat nur Mittel gewählt, die Sie auf Dauer erschöpfen.

    Wenn eine Klientin oder ein Klient diesen Schritt geht, wenn der ängstliche Anteil zum ersten Mal nicht weggedrückt wird, sondern gehört wird, was er eigentlich erreichen will, passiert etwas Bemerkenswertes. Die Angst wird weniger. Sie verschwindet nicht, sie muss nur nicht mehr im Hintergrund arbeiten. Sie ist gesehen, sie ist gehört, sie hat einen Platz. Damit verliert sie ihre verzerrende Kraft.

    Daraus entsteht Raum für Veränderung. Für eine andere Antwort auf die Druck-Situation als Mehrarbeit. Für eine Form von Souveränität, die im inneren Geordnet-Sein wurzelt statt im bloßen Funktionieren.

    Ein Beispiel

    Ein Klient, mit dem ich arbeitete, bemerkte selbst, dass er in Meetings überproportional viel redete. Andere kamen wenig zu Wort. Er fand das selbst unangenehm und wollte es ändern. Die naheliegende Lösung wäre gewesen: weniger reden, mehr zuhören, Gesprächsregeln einhalten. Das wäre Verhaltens-Coaching. Wir wären nicht weit gekommen.

    Stattdessen schauten wir auf den Anteil, der ihn zum Reden trieb. Was suchte er? Was wollte er verhindern? Nach einigem Hinhören wurde es deutlich: solange er selbst sprach, konnte er in dieser Zeit nicht kritisiert werden. Das Reden war eine Kritik-Vermeidung. Es ging nicht um Eitelkeit, nicht um Dominanz, nicht um Unbeherrschtheit. Es war ein ängstlicher Schutzmechanismus.

    Das war ein Eye-Opener für ihn. Ich hatte ihm nichts Neues über Kommunikation erklärt. Er sah den Mechanismus hinter seinem eigenen Verhalten. Von da an konnte er anders mit dem Anteil umgehen. Er konnte ihn bemerken, anerkennen, und dann doch entscheiden, jetzt anderen Raum zu lassen. Weniger zu reden wurde plötzlich keine Disziplin-Übung mehr. Es wurde eine Form von Souveränität, die er nicht erzwingen musste.

    Wie ich arbeite

    In meiner Coaching-Praxis erlebe ich diese Dynamik seit Jahren in vielen Variationen. Mit rund 1200 absolvierten Coaching-Stunden hat sich ein klares Muster gezeigt, das sich strukturiert begleiten lässt.

    Eine Coaching-Begleitung in dieser Phase verläuft in drei Schritten, die ineinander übergehen.

    Im ersten Schritt steigen wir über die Gedanken ein. Welche Gedanken erzeugen die Angst? Was geht durch den Kopf, wenn der Knoten im Magen entsteht? Gedanken sind für die meisten Klientinnen und Klienten leichter zugänglich als Gefühle. Sie sind benennbar, prüfbar, formulierbar. Wir machen also eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was treibt die Anspannung wirklich? Welche Ängste arbeiten im Hintergrund mit? Welche externen Faktoren verstärken sie, welche inneren Muster halten sie aufrecht?

    Im zweiten Schritt beginnt die Arbeit an den Anteilen. Wir lernen den ängstlichen Anteil kennen, hören seine Geschichte, verstehen seine Absicht. Hier kommen Methoden zum Einsatz, die ich aus dem systemischen Coaching, dem Seitenmodell und Internal Family Systems integriere. Sie haben unterschiedliche Sprachen und beschreiben ähnliche Phänomene: dass wir innerlich mehrstimmig sind, und dass Heilung beginnt, wenn diese Stimmen miteinander in Beziehung treten.

    Im dritten Schritt schließen wir den Kreis und kehren zu den Gedanken zurück. Welcher Gedanke sollte stattdessen da sein, der ein anderes Gefühl erzeugt? Das ist keine Übung in „positivem Denken“. Es ist die bewusste Suche nach dem Gedanken, der wahr ist, der trägt, der die innere Realität nicht beschönigt, sondern klärt. Aus diesem neuen Gedanken entsteht ein anderes Gefühl, und aus dem anderen Gefühl entsteht ein anderer Handlungsspielraum im Führungsalltag.

    Für wen diese Arbeit sinnvoll ist

    Als Coach für Burnout-Prävention bei Führungskräften arbeite ich mit Menschen, die im Alltag noch funktionieren. Die ihre Aufgaben erfüllen, ihre Termine wahrnehmen, ihre Familien sehen. Die aber spüren, dass etwas nicht mehr stimmt. Schlechter Schlaf, aber noch Schlaf. Reizbarkeit, aber noch Beherrschung. Erschöpfung, aber noch Leistungsfähigkeit.

    Voraussetzung ist nicht Erfahrung mit Coaching, sondern die Bereitschaft, sich ehrlich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, auch dort, wo es unbequem wird.

    Diese Arbeit ist nicht für Sie, wenn Sie sich in einer akuten Burnout-Phase befinden, in der Alltag, Schlaf und Sozialleben weitgehend zusammengebrochen sind. Dann gehört Ihre Erschöpfung in therapeutische Behandlung. Coaching ist nicht der Ort, an dem klinische Erschöpfungszustände aufgearbeitet werden. Die Grenze ist klar, und ich respektiere sie. Wer therapeutische Hilfe braucht, dem helfe ich, sie zu finden.

    Wie ich über diese Themen denke

    Wenn Sie vor einem Erstgespräch einen genaueren Eindruck meiner Denkweise gewinnen wollen, finden Sie diese Texte hilfreich:

    Erstgespräch

    Ein erstes Gespräch dauert etwa dreißig Minuten und ist für Sie unverbindlich. Wir klären, was Sie beschäftigt, ob mein Ansatz zu Ihrer Situation passt und in welchem Rhythmus eine Zusammenarbeit sinnvoll wäre. Ich frage in diesem Gespräch wenig nach Lebenslauf und viel nach der aktuellen Drucksituation. Bringen Sie also keine Vorbereitung mit außer der Bereitschaft, offen zu sprechen.