IFS im Coaching: Ein Erfahrungsbericht
IFS-informiertes Coaching hat meine Arbeit mit gesunden Führungskräften verändert. Ein Erfahrungsbericht zu Wirkung, Einsatzfeldern und der klaren Abgrenzung zur Psychotherapie, und warum ich nun die formale IFS-Ausbildung beginne.

Anfang März war ich für eine Woche in Balderschwang im Allgäu. Nicht zum Skifahren, sondern zur IFS-Meditationswoche bei Thomas Schneider von Wege zum Sein. Was ich dort erfahren habe, verändert seitdem meine Arbeit als Coach.
Was ist Internal Family Systems (IFS) im Coaching?
Internal Family Systems (IFS) ist ein psychologisches Modell, das davon ausgeht, dass unser inneres Erleben aus verschiedenen Anteilen besteht, Anteilen mit unterschiedlichen Rollen, die sich oft schon früh im Leben herausgebildet haben. Es gibt Anteile, die uns schützen wollen, Anteile, die innere Anspannung tragen, und Anteile, die dafür sorgen, dass wir im Alltag funktionieren. Hinter all diesen Anteilen liegt das, was IFS als das Selbst bezeichnet: ein innerer Kern, der Klarheit, Ruhe, Mitgefühl und Verbundenheit verkörpert.
Entwickelt wurde IFS von dem amerikanischen Familientherapeuten Richard C. Schwartz, der die Prinzipien der systemischen Familientherapie auf die innere Welt des Einzelnen übertrug. In den USA ist der Ansatz seit 2015 vom Gesundheitsministerium als evidenzbasiert anerkannt. In Deutschland wächst die IFS-Community seit einigen Jahren, getragen von drei Instituten (München, Berlin, Heidelberg), die zertifizierte Fortbildungen anbieten.
Im Coaching nutze ich IFS-informierte Elemente, also einen achtsamen, neugierigen Blick auf die eigenen Anteile, im Rahmen von Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung mit gesunden Klienten. Das ist ausdrücklich kein Ersatz für Psychotherapie. Wo es um Heilkunde, Krankheitsbilder oder die Bearbeitung von Traumafolgen geht, ist die Psychotherapie der richtige Ort, nicht das Coaching.
Abgrenzung zur Psychotherapie
Mein Angebot ist Coaching für gesunde Führungskräfte, keine Heilbehandlung im Sinne des Heilpraktikergesetzes. Ich diagnostiziere nicht, ich behandle keine psychischen Erkrankungen und ich bearbeite keine Traumata. Wenn sich in einem Gespräch Hinweise auf ein klinisches Thema zeigen, verweise ich an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder an entsprechende Anlaufstellen.
Die Woche in Balderschwang
Das Seminar fand im Bio-Berghotel Ifenblick statt, einem kleinen Ort mit 300 Einwohnern im Oberallgäu. Thomas Schneider, der Gründer von Wege zum Sein, leitete die Woche. Die Kombination aus Meditation, geführter IFS-Arbeit, Selbsterfahrung und Stille in der Berglandschaft war genau das richtige Setting, um sich auf diese innere Arbeit wirklich einzulassen.
Was mich an Thomas Schneider beeindruckt hat: Er vereint eine Tiefe an Erfahrung, die selten ist. Seit 2003 begleitet er hauptberuflich Menschen durch Achtsamkeitsseminare und Retreats. Er ist ausgebildeter IFS-Therapeut (IIFS Institut Berlin), MBSR-Lehrer, MSC Trained Teacher und hat über vier Jahre in Asien und Europa an Universitäten und Klöstern studiert und unterrichtet. Er trägt den buddhistischen Lehrer-Titel Nyinche Dorje. Aber was seine Arbeit wirklich auszeichnet, ist nicht die Summe seiner Qualifikationen, es ist seine Fähigkeit, einen Raum zu schaffen, in dem sich Menschen sicher genug fühlen, ehrlich nach innen zu schauen. Er begegnet jedem Teilnehmer mit einer Präsenz und Feinfühligkeit, die man sofort spürt.
In dieser Woche habe ich erfahren, was IFS über die Theorie hinaus bedeutet. Wenn man erlebt, wie ein innerer Anteil, der seit Jahrzehnten im Dienst steht, zum ersten Mal wirklich gehört wird, dann versteht man die Kraft dieser Methode. Es ist kein intellektuelles Verstehen. Es ist ein Erleben.
Was das für mein Coaching bedeutet
Ich nutze IFS-informierte Elemente seit einiger Zeit in meinem Coaching mit gesunden Führungskräften. Die Woche in Balderschwang hat diesen Zugang vertieft und mir Werkzeuge gegeben, die ich seitdem in meine Coaching-Arbeit integriere, immer im Rahmen von Selbstreflexion, Selbstmanagement und Führungsentwicklung, nicht als therapeutische Intervention.
In meinen Coaching-Sitzungen erlebe ich regelmäßig Situationen, in denen das klassische Werkzeugset an Grenzen stößt. Eine Führungskraft weiß rational, dass sie delegieren sollte, und tut es trotzdem nicht. Ein C-Level-Manager erkennt, dass sein Perfektionismus ihn ausbremst, und kann ihn trotzdem nicht loslassen. Eine Gründerin versteht, dass sie sich Unterstützung holen muss, und bittet trotzdem niemanden um Hilfe.
In solchen Momenten liegt die Lösung selten auf der Verhaltensebene. Häufig wirken innere Muster mit guten Gründen, die am bisherigen Verhalten festhalten. Oft sind es Schutzstrategien, die in einer früheren Lebensphase entstanden sind und bis heute loyal ihren Dienst tun. Sie mit Willenskraft zu überstimmen, funktioniert selten nachhaltig.
Ein IFS-informierter Blick hilft, diese Muster respektvoll zu verstehen, ihre Funktion anzuerkennen und im Coaching-Dialog gemeinsam nach einer neuen Rolle zu suchen. Das bleibt Coaching, kein therapeutisches Arbeiten an Symptomen.
Der nächste Schritt: IFS-Fortbildung
Um IFS noch fundierter in mein Coaching einbringen zu können, starte ich im Juni 2026 die formale IFS-Fortbildung bei Regina Wagener am IFS-Institut München. Regina Wagener ist Diplom-Psychologin, Systemische Therapeutin und hat das IFS-Training bis Level 3 in Deutschland und den USA abgeschlossen. Als Trainerin am IFS-Institut München gehört sie zu den erfahrensten IFS-Ausbilderinnen im deutschsprachigen Raum.
Die Fortbildung umfasst ein Basistraining und ein Aufbautraining mit dem Ziel der Zertifizierung als IFS-Coach. Sie ist von den Psychotherapeutenkammern anerkannt und entspricht internationalen Standards.
Für wen ist IFS im Coaching relevant?
Aus meiner Erfahrung ist IFS besonders wirksam für Menschen in anspruchsvollen Führungsrollen:
- Führungskräfte, die trotz klarer Erkenntnis an wiederkehrenden Mustern feststecken
- Manager, die unter Dauerdruck stehen und merken, dass ihre Resilienz-Strategien nicht mehr greifen
- Gründer, die den Übergang vom operativen Macher zur strategischen Führungskraft gestalten wollen
- Erfahrene Leader, die ihr „Finetuning" suchen, die Nuancen, die den Unterschied zwischen gut und herausragend ausmachen
IFS erweitert klassische Coaching-Methoden um eine Dimension, die mir vorher gefehlt hat: den systematischen, achtsamen Zugang zur inneren Landschaft eines Menschen.
Weiterführende Informationen
- Wege zum Sein, IFS-Meditationswoche (Seminare in Balderschwang)
- Thomas Schneider, Profil
- IFS-Institut München, Fortbildung
- IFS Europe e.V., Netzwerk und Therapeutenverzeichnis
- Richard C. Schwartz: IFS, Das System der Inneren Familie, Kösel 2024
Häufige Fragen
- Was ist IFS (Internal Family Systems)?
- IFS ist ein psychologisches Modell, entwickelt von Richard C. Schwartz, das davon ausgeht, dass unsere Psyche aus verschiedenen inneren Anteilen besteht. In den USA ist die Methode seit 2015 vom Gesundheitsministerium als evidenzbasiert anerkannt.
- Für wen ist IFS-informiertes Coaching relevant?
- Für gesunde Führungskräfte, die trotz klarer Erkenntnis an wiederkehrenden Mustern feststecken, für Manager unter Dauerdruck, für Gründer im Übergang vom Macher zur strategischen Führung und für erfahrene Leader, die ihr Finetuning suchen. Ausdrücklich kein Ersatz für Psychotherapie.
- Ist IFS-Coaching eine Psychotherapie?
- Nein. Mein Angebot ist Coaching für gesunde Klienten im Rahmen von Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung, keine Heilbehandlung im Sinne des Heilpraktikergesetzes. Bei klinischen Themen oder Traumafolgen verweise ich an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
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